OZ Reisebericht PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 17. März 2011 um 21:50 Uhr

Hier mal eine kleine Leseprobe des Australien-Reiseberichts:

Nach mehr als 25000km mit meinem Fahrrad und 11 Monaten in Australien und Neuseeland war nichts mehr, wie es vorher war. Wenn ich die Ereignisse, die sich bei meiner Australienumrundung mit dem Fahrrad zutrugen, Revue passieren lasse, möchte ich zunächst folgendes vorausschicken: ich kann (zum Glück) nicht wie andere Reiseradler von diversen Überfällen, Beinahe-Tod-Erfahrungen oder lebensbedrohlichen Unfällen berichten, um meinen Erlebnisbericht zu würzen. Das Besondere an meiner Geschichte sind vielmehr die vielen, sehr speziellen Begegnungen mit interessanten Menschen – ausserdem denke ich an ein paar Ereignisse, die mich desöfteren am Prinzip der Zufälligkeit zweifeln lassen, da sie im grösseren Zusammenhang gesehen, einen Sinn zu ergeben scheinen. Viele Verknüpfungen und Kausalitäten in Bezug auf das Schicksal sind mir erst viel später klar geworden und dies ist ein weiterer Grund für mich, dieses Manuskript zu schreiben. Wenn ich nach der Motivation gefragt werde, warum ich überhaupt auf die Idee kam, 10 Monate auf einem Drahtesel rings um einen ziemlich heissen Kontinent zu fahren, so kommt mir sofort folgendes Bild in den Kopf: ich sass mitten in Köln in der überfüllten S-Bahn nach Bergisch Gladbach; draussen regnete es und es war kalt. Die Sonne hatte keine Chance, die dichte Wolkendecke zu durchstossen. Ich war auf dem Weg zu meiner Arbeitsstätte - neben meinem Studium jobbte ich in einer noblen Wellnessanlage, um mich über die kalten und grauen Wintermonate zu retten und neben meinem Studium die Brötchen zu verdienen. Während ich also da sass und melancholisch aus dem Fenster schaute, wurde mir schlagartig bewusst, dass es Zeit für etwas komplett Neues war. Die Gespräche der Leute vor und hinter mir erschienen mir so sinnlos wie noch nie – es ging um belangloses Zeug wie die letzten Bundesliga- Ergebnise oder den Wetterbericht, der seit Wochen mehr oder weniger das Gleiche ankündigte. Ich sehnte mich nach den wärmenden Strahlen der Sonne, nach Stille und dem Gefühl von Naturverbundenheit. Australien schien für meine Bedürfnisse genau das Richtige zu sein und in meiner Phantasie malte ich mir schon aus, wie ich im Outback mein Zelt aufschlage, den Sonnenuntergang und die unglaubliche Stille geniesse. 3 Monate später sass ich in einer fast leeren 747 der Thai Airways, während 10 km unter mir die Küstenlinie von Darwin auftauchte. ….

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„Wo soll’s denn hingehen, Kumpel?

Der Hafen von Sydney erwachte gerade zu neuem Leben. Der Verkäufer am Fahrkartenschalter des Circular Quay rieb sich die verforenen Hände und öffnete gerade seine beengte Behausung. Ich kaufte eine Fahrkarte für die Fähre nach Manly und kurz darauf befand ich mich an Bord der „CAT“, die zielstrebig durch das Hafenbecken pflügte. Die markanten Segel des Opernhauses lagen noch völlig im Dunkeln - ähnlich verhielt es sich mit der sonst so prachtvoll beleuchtete Harbour Bridge: in der tiefblauen Nacht und bei leichtem Nebel war von ihr kaum etwas zu erkennen. Die Passagierfähre beförderte um diese unchristliche Uhrzeit vorrangig Pendler, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Die meisten von Ihnen steckten in dicken Winterjacken - einige verschanzten sich hinter der aktuellen Ausgabe des „Sydney Herald“. Das Blatt sollte in Kürze von einer beispiellosen Hitzewelle in Europa berichten, währenddessen der australische Winter mit vergleichsweise kühlen Temperaturen aufwartete. Ich erntete ein paar hochgezogene Augenbrauen, als ich nur mit kurzer Hose und leichter Fahrradjacke in Manly von Bord ging und durch die geräumige Halle des Terminals mit seinen diversen Cafes, Restaurants und Souvenirläden spazierte. Es duftete sehr einladend nach gerade geröstetem Kaffee und frischgebackenen Brötchen. Die Ladenbesitzer rüsteten sich für den allmorgendlichen Besucheransturm. Ich kam gerade an einer Bäckerei vorbei, als der Verkäufer ein paar durchaus appetitlich anmutende Croissants in einer auf Hochglanz polierten Glasvitrine unwiderstehlich in Szene setzte. Als er mir auf mein geäussertes Begehren hin die noch ofenwarmen Blätterteighörnchen über die Ladentheke reichte, fiel sein Blick auf mein Fahrrad mit den 4 bisher nur spärlich gefüllten Satteltaschen. Er konnte sich die Frage nicht verkneifen: „Na, wo soll’s denn hingehen, Kumpel?“, woraufhin ich antwortete: „Cairns“. Darauf verzog er sein Gesicht zu einer Grimasse, bei der Jim Carey vor Neid erblassen würde, riss mir reflexartig die Tüte wieder aus der Hand und stopfte mir ungefragt noch ein weiteres Croissant mit dem trockenen Kommentar in die Tüte: „Hey, Mann, du wirst es verdammt noch mal brauchen.“ Ein knappes Jahr später, nachdem ich ganz Australien mit dem Fahrrad umrundet und durchquert hatte, gab ich bei demselben, ziemlich verdutzten Brötchenverkäufer die gleiche Bestellung auf. ..